signale graz Soirée

signale graz Soirée

erstellt am 25. März 2019

signale graz Soirée mit Univ.Prof. Klaus Lang (Institut 1) und MA Andreas Pirchner (IEM) am Montag, 25.03.2019 18:00 CUBE, IEM, Inffeldgasse 10/3

Die signale graz Soirées bilden seit dem Sommersemester 2013 ein Forum, in dem der Dialog zwischen den Instituten der KUG und anderen Grazer Universitäten gefördert wird, um so einen intensiveren Austausch der künstlerischen und wissenschaftlichen Projekte zu ermöglichen. Bei der Veranstaltung werden von den Gästen kurze Vorträge gehalten, in denen ihre aktuellen Interessen und künstlerischen oder wissenschaftlichen Forschungen dargestellt werden, was dann Anstoß zu gemeinsamen Diskussionen bietet.

Wir freuen uns, am kommenden Montag in diesem Rahmen Univ.Prof. Klaus Lang (Institut 1) und MA Andreas Pirchner (IEM) begrüßen zu dürfen.

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Univ.Prof. Klaus Lang (Institut 1)
die schöne schnecke


Sehr oft ist das, was wir wahrnehmen nicht das, was unsere Sinne uns an Eindrücken liefern, sondern unsere durch Begriffe vorgeprägte Vorstellung von etwas. Ein erlernter Mechanismus in unserem Geist hindert uns daran, unsere sinnliche Wahrnehmung zu realisieren. Und nicht selten sind unsere vorgefassten Erwartungen, unsere Vorurteile genau das Gegenteil von dem, was wir sinnlich erfahren: Wenn wir unsere Ohren zustopfen wird es lauter, wenn wir die Augen schließen wird es hell. Wir könnten uns fragen, was wir wirklich sehen, wenn wir, um „nichts“ zu sehen die Augen schließen und was ist nur unser Konzept von „nichts sehen“ und „Dunkelheit“?
Kunst lehrt uns im Jetzt in diesem Augenblick genau hinzuhören und hinzuschauen, sie lehrt uns ein unmittelbares Verständnis jenseits des Begrifflichen.
Und ist Wissen nicht genau das: ein tieferes Verstehen.
Der Weg zu diesem Verständnis liegt nicht in himmelsstürmenden Weltsystemen, sondern in dem Versuch genau hinzuschauen und hinzuhören und auch das allerkleinste und allernormalste genau wahrzunehmen.
Ist die Weisheit wirklich die strahlende Königin im Goldbrokat, auf dem Thron der Religionen und Wissenschaften, umgeben von Männern in bunten Talaren mit seltsamen Hüten? Ich frage mich, ob sich das Wissen nicht eher unter Salatblättern versteckt und eigentlich eine Schnecke ist.

Klaus Lang (*1971 in Graz)
lebt in Steirisch Lassnitz (Österreich). Er studierte Komposition und Musiktheorie (bei H.M. Preßl, B. Furrer and Y. Pagh-Paan) und Orgel. Klaus Lang liebt Tee. Was er nicht mag sind Rasenmäher und Richard Wagner. Musik wird von Klaus Lang nicht als Mittel gebraucht, um außermusikalische Inhalte zu transportieren, seien es Affekte, philosophische oder religiöse Ideen, politische Programme, Werbeslogans etc.. Musik ist für ihn keine Sprache die der Kommunikation außermusikalischer Inhalte dient, sie ist ein freies für sich stehendes akustisches Objekt. In seinen Arbeiten wird Klang nicht benutzt, er wird hörend erforscht und ihm wird die Möglichkeit gegeben seine ihm innewohnende reiche Schönheit zu entfalten. Wenn Klang nur Klang ist (und auf nichts anderes verweisen soll), gerade dann wird er als das wahrnehmbar, was er eigentlich ist, nämlich als ein zeitliches Phänomen, als hörbare Zeit. Die Zeit als das eigentliche Material des Komponisten ist für Klaus Lang also auch zugleich zentraler Gegenstand der Musik. Musikalisches Material ist durch das Klingen wahrgenommene Zeit, der Gegenstand von Musik das hörende Erlebnis von Zeit.  Musik ist hörbar gemachte Zeit.

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MA Andreas Pirchner (IEM)
Messapparate als materielle Diskurspraktiken


Die wissenschaftstheoretische Arbeiten Hans-Jörg Rheinbergers und Karen Barads wurden in so unterschiedlichen Feldern wie künstlerischer Forschung, Wissenschaftsgeschichte, Erkenntnistheorie oder den Gender Studies breit rezipiert. Obwohl die Standpunkte auf teilweise unterschiedlichen Fundamenten aufbauen zeigen sich, unter anderem im Verständnis von Diskurspraktiken und Performativität, Berührungspunkte.

Bezogen auf Musikforschung möchte ich diese Berührungspunkte anhand Rheinbergers und Barads Begrifflichkeiten diskutieren und darauf basierend vorschlagen, den Forschungsvorgang in weiterer Folge als materielle Diskurspraktik zu verstehen. Die Argumentation lässt sich von anderen, ebenfalls dem Materialismus zugerechneten Konzeptionen abgrenzen, die unter Bezugnahme auf Deleuze in die Forschung über technologieintensive Formen von Musik eingeführt wurden. Veranschaulicht werden sollen die theoretischen Ausführungen durch Beispiele aus der Arbeit am GAPPP-Projekt.

Andreas Pirchner
Studium der Musikologie sowie Informations- und Mediengestaltung. Semiotik bei Martin Krampen. Lehrt Creative Programming an der Kunstuniversität Linz sowie Medientechnologie und angewandte Informatik an der Ortweinschule Graz. Forscher beim Projekt GAPPP: Gamified Audiovisual Performance and Performance Practice am IEM. Derzeit Promotion im Fachbereich Sound and Music Computing bei Gerhard Eckel und Robert Höldrich. Frühes Interesse an elektrisch verstärkter Beatmusik. Eigene Arbeiten in generativen Gestaltung, die mitunter auch klingen.



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