signale graz Soirée

signale graz Soirée

erstellt am 04. Dezember 2017

signale graz Soirée mit Univ.Prof. Susanne Scholz und Mag. David Pirrò am Montag, 04.12.2017, 18:00 CUBE, IEM, Inffeldgasse 10/3

Die signale graz Soirées bilden seit dem Sommersemester 2012/13 ein Forum, in dem der Dialog zwischen den Instituten der KUG und anderen Grazer Universitäten gefördert wird, um so einen intensiveren Austausch der künstlerischen und wissenschaftlichen Projekte zu ermöglichen. Bei der Veranstaltung werden von den Gästen kurze Vorträge gehalten, in denen ihre aktuellen Interessen und künstlerischen oder wissenschaftlichen Forschungen dargestellt werden, was dann Anstoß zu gemeinsamen Diskussionen bietet.

Wir freuen uns, am kommenden Montag in diesem Rahmen Univ.Prof. Susanne Scholz (Institut 15), und Mag. David Pirrò (IEM) begrüßen zu dürfen.

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Univ.Prof. Susanne Scholz (Institut 15)
"Instrumente als Forschungsquelle: 5 Renaissanceviolininstrumente aus Freiberg in Sachsen, die die Welt bedeuten…"


Bei der Umgestaltung des Freiberger Doms durch den italienischen Architekten Giovanni Maria Nosseni, die bis zum Jahr 1594 andauerte, wurden in mehr als 10 Metern Höhe vergoldeten Engelsstatuen 30 Instrumente in die Hände gelegt, darunter 5 Violininstrumente, die in dieser Position bis heute fast unberührt die Jahrhunderte überstanden haben. Die Instrumente sind einmalig - kein anderes Geigenensemble des 16.Jahrhunderts ist uns bis in die heutige Zeit erhalten geblieben, noch dazu ohne spätere Umbauten erlitten zu haben.
Entgegen der sonst in diesen geographischen Breiten beschriebenen „Geigeninstrumenten“, die sich meist noch an Rebec und Fidel orientieren, weisen diese 5 Instrumente typische Geigenmerkmale auf.
Wie kommen nun diese Instrumentenmodelle nach Freiberg? Wer hat sie gespielt? Und für die Aufführungspraxis welcher Musik sind diese Instrumente auch als Quelle relevant?
Das zentrale Thema, das allen Fragen gemeinsam ist, stellen die geografischen Zusammenhängen dar. Einerseits geht es um die Relevanz der Instrumente aus dem Norden für die Italienische Musik, die im 16. Jahrhundert weite Teile Europas eroberte und einen Großteil der erhaltenen Notenbestände betrifft. Des Weiteren stellt die Herstellung eines Zusammenhangs dieser Instrumente aus Freiberg mit der Musikpraxis an andern Orten, anderen Höfen der Zeit und besonders aber der zu der Zeit blühenden Grazer Hofkapelle eine wichtige Aufgabe dar.
In meinem derzeitigen Projekt möchte ich nun einen Puzzlestein beleuchten, der etwas Licht bringt ins Dunkle und die genannten Zusammenhänge beleuchten kann: die Chronik des Cernobio Besozzi, der Mitte des 16.Jahrhunderts mit Fürsten, Kardinälen, Prinzen wie Prinzessinnen, Kaisern und Königinnen durch Europa reiste und dessen Aufzeichnungen aus vielerlei Hinsicht besondere Informationen auf die oben gestellten Fragen enthalten.
So erklären diese Schriften die enge Verbindung und die rege Reisetätigkeit von Fürsten und ihrem Hofstaat innerhalb Europas und auch die besondere Stellung von Musik und Kultur in der Hofhaltung und Politik im 16.Jahrhundert. Aber auch die direkte Verbindung von Musikern, die in Anstellungen von Trient bis Dresden, von München bis Graz beschäftigt waren, zeigen die enge Vernetzung auf, welche Antworten auf unsere Fragen geben kann.

 
Curriculum:
Susanne Scholz wirkt als Geigerin auf Instrumenten der Renaissance, des Barock und der Klassik wie auch als Leiterin von Ensembles vom Renaissanceconsort bis hin zum Opernensemble.
Konzerte, Meisterkurse und Vorträge lassen Susanne Scholz ständig auf Reisen gehen, innerhalb wie außerhalb Europas. Überdies beschäftigt sie Ihre internationale Unterrichtstätigkeit sowie die Forschung und Erforschung von neuem Repertoire und deren Aufführungspraxis und die Frage, wie dieses an ein im Wandel befindliches Publikum weiterzugeben ist.
Studiert hat Susanne Scholz in Graz, Wien und Den Haag, gespielt mit Ensembles aus und in vielen Ländern, besonders lange Zeit mit “Les Arts Florissants”, Paris und mit “La Petite Bande”, Brüssel.
Ihre Unterrichtstätigkeit hat sie von 1995-99 nach Wien, seit 1999 nach Leipzig und ab 2013 auch nach Graz gebracht, wo sie als Professorin für Barockvioline bzw. für Kammermusik/Barockorchester in stetiger und intensive Zusammenarbeit mit KollegInnen in ganz Europa versucht, Neugierde und Leidenschaft auf neue Fragestellungen innerhalb der Musikpraxis weiterzugeben.
Große Opernproduktionen unter ihrer Leitung sind vor allem in Leipzig entstanden, viele davon als Erstaufführungen in heutiger Zeit, mit Opern von Heinichen, Telemann, Bononcini, Förster, Blow, Hasse. Geichzeitig hat sie auch wichtige Werke von Vivaldi, Purcell, Campra, Stradella, Fux, Draghi und Lully auf die Bühne gebracht. Bei all diesen, von ihr konzipierten Produktionen legt Susanne Scholz größten Wert auf die Art der musikalischen wie szenischen Umsetzung und leitet selbst die musikalische Seite der Produktionen vom Konzertmeisterpult aus.
Zahlreiche Einspielungen zeugen von ihrer künstlerischen Tätigkeit, die Umsetzung ihrer künstlerische Forschung hat zuletzt zu CD-Produktionen mit ihrem Ensemble „chordae freybergenses“ auf Renaissanceinstrumenten und zu einer ganz besonderen Aufnahme der Sonaten des Opus V von A.Corelli mit dem Cembalisten Michael Hell geführt (beide produziert bei „Querstand“).
www.susannescholz.com

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Mag. David Pirrò (IEM)
"Composing Interactions"

This research investigates interaction in the context of computer music composition in general and performance-oriented generative music practice in particular. It follows three approaches of inquiry.

The first one consists in a scientific and theoretical analysis of the concept of interaction and its understanding in the field of computer music. Furthermore, the topic is put in in relation with theories of /perception/ and /cognition/ in philosophy and cognitive sciences, in particular with the concepts of /embodiment/ and /enaction/. An understanding of interaction as a temporal process of /mutual influence/ taking place between agents is introduced. At this point, the concept /agent/ evolves into a central topic.
The second direction of research is based on the mathematical theory of /dynamical systems/. The framework affords a /process-based/ mindset and an /ecological/ perspective that emphasises the role of interrelations between elements in a system. In the context of this work it is understood as the most apt language for formulating and understanding processes of interaction.
A third approach consists in personal /artistic engagement/ in the development of interactive computer music environments. This thread interweaves with the former two and allows for continuous /aesthetic experimentation/: speculations and abstract intuitions are put into perceptible form and, in turn, concepts and formulation can be sharpened by experience. An essential part of this engagement relies on the /software framework//rattle/, which has been developed for the formulation and the real-time simulation of dynamical systems.

This work develops an attitude towards interaction that employs the language of dynamical systems to address the agency of generative computer music processes. Eventually, /agency/ is re-interpreted as an essential perceptual quality generative computer music systems should be afforded with to allow for a composition of interactions to emerge.

Bio:
David Pirrò is a sound artist and researcher based in Graz, Austria. His works include interactive compositions and sound installations as well as audiovisual and electroacoustic pieces in which aspects of performance and spatialisation of sound are central. Departing from a radical inclusive point of view, he seeks ways of composing by which the work of art is constructed through mutual interaction of the agents involved in its performance. Since 2007 David is assistant professor at the IEM, working as lecturer and researcher.
pirro.mur.at



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