Pulsation

Johannes Sienknecht
01.01.2001 - 31.12.2001

Künstlerisches Projekt

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Entwicklung


Pulsation - Konzeptskizze

Entworfen fuer mehrkanalige Audio- und Videoaufzeichnung sowie Wiedergabe des Phaenomens der 'Einzelblasen Sonolumineszenz', durch ein generatives System im Wasserspeicher neben dem Wasserturm vom Prenzlauer Berg.

Die Installation thematisiert die Ursache unserer Raumvorstellung als
durch die Sinne gegeben, deren Begrenzung und Erweiterung ueber die
Einbildungskraft, sowie die Transformation der gewonnenen Erkenntnisse
zurueck in den Raum der Erfahrung mittels medialer Techniken. Dies
geschieht ueber eine mehrkanalige Audio- und Videoinstallation.
Deren Keim ist ein kleines mit Wasser gefuelltes sphaerisches Glasgefaess,
in dessen Mitte sich eine winzige leuchtende pulsierende Luftblase befindet.
Die Luftblase wird von einer stehenden Schallwelle mit Ultrahochfrequenz
in der Mitte des Glases gehalten, und zum Leuchten angeregt.

Dieses Phaenomen wird 'Einzelbasen Sonolumineszenz'(SBSL) genannt.
Als Ergaenzung ist eine kurze Erlaeuterung unten angefuegt.
Die Sonolumineszenz wurde um 1930 entdeckt. Eine einzelne Blase zu
isolieren und ueber Tage stabil zu halten, gelang jedoch erst 1990.
Durch diese Entdeckung ist es nun moeglich, das auch heute noch raetselhafte
Phaenomen zu untersuchen.
Ursache ist die Kavitation. Durch Druckdifferenzen, die in dem relevanten
Fall durch die Schallwelle entstehen, koennen in Gasen, und Fluessigkeiten
Hohlraeume aufrei§en, die, aufgrund des in Folge entstehenden Unterdrucks
im Hohlraum, wieder kollabieren. Die hierbei entstehenden Kraefte sind
immens groß. Innerhalb der Blase bei der SBSL werden Druecke von mehreren 10.000 Atmosphaeren und Temperaturen von mehreren 10.000 Kelvin angenommen.

Ich moechte die messbaren Vorgaenge einer pulsierenden Blase, mittels eines Hydrophons, eines Mikrophons, und einer Videokamera, auf Grund folgender Absicht aufzeichnen.
Die Messungen steuern ein eigens programmiertes generatives System zur
Komposition der waehrend der Laufzeit aufgenommenen, sowie auch von
vorselektierten, Daten. Das Verhalten dieses Systems wirkt sich
rueckwirkend auf die Amplituden der stehenden Welle und der zu ihr
addierten Obertoene aus, was wiederum die Pulsfrequenz und die
Lichtintensitaet der Blase steuert.
Die eingespeisten Ton- und Bilddaten werden dann, zusammen mit dem zuvor aufgenommenen Material vom Ereignis der Kavitation, in Abhaengigkeit von den Messdaten, stark zeitlich und raeumlich verzerrt, und somit in den Erfahrungsraum transformiert.
Der Raum des Wasserspeichers ist ideal Aufgrund seiner alten Funktion,
seines frueheren Inhalts, und seiner konzentrischen
Architektur.
Fuer einen Entwurf ist eine weitergehende Auseinandersetzung mit dem Raum vor Ort notwendig. Ich wuerde eine exakte Ausarbeitung der Positionierung der Elemente anhand der Sichtbeziehungen und auf Grund anderer direkter Erfahrungen innerhalb des Wasserspeichers vornehmen wollen.

Der Versuchsaufbau, um eine SBSL zu erzeuge, beobachten, sowie vermessen zu koennen, ist relativ einfach. Die eigentlichen Vorgaenge, welche innerhalb der Installation von Interesse sind, kann man allerdings gar nicht, oder nur sehr schwach, mit den Sinnen wahrnehmen. Das Volumen der mit der Frequenz der stehenden Welle pulsierenden Blase variiert von Druckminima zu Druckmaxima um mehr als das tausendfache.
Die nach innen laufende zentrische Wellenfront komprimiert die Blase
bis auf Molekuelgroesse, bevor sie, beschleunigt auf mehrere Mach,
wieder nach Au§en laeuft.

An diesem Umkehrpunkt der hoechsten Komprimierung strahlt die Blase Licht aus - wird Schall in Licht gewandelt - die Energiedichte wird hierbei um 12 Groessenordnungen verstaerkt. Befindet sich die Schallamplitude in einem genau bestimmten Bereich, dann zerplatzt die Blase nicht im Druckminima der Schallwelle, also bei ihrer maximalen Ausdehnung, sondern kehrt abermals die Richtung um, kollabiert erneut. Dieser Vorgang wiederholt sich in der Frequenz der angelegten Ultraschallschwingung stabil ueber mehrere Tage. Durch die, fuer die Installation angestrebte, Verwendung von bis zu acht harmonischen Obertoenen zur Resonanzfrequenz, ist es nach bisherigen Erkenntnissen moeglich, die Lichtintensitaet um 300% zu steigern, bzw. zu variieren.