DW7 für Orchester

Bernhard Lang, Thomas Musil
2002

Wissenschaftliches Projekt

 

Ressourcen:

Differenz und Wiederholung Übersicht

Partiturausschnitt (.jpg)

 

über dw7 für großes orchester und loop-generator

Bernhard Lang: DW7 für Orchester, UA Donaueschinger Musiktage 2002, Südwestfunkorchester, Klangregie André Richard Experimentalstudio Freiburg, Thomas Musil IEM, Dirigent: Sylvain Cambreling


das stück differenz/wiederholung 7, gehört zur serie der differenz/wiederholungs-stücke, welche, wie der titel schon sagt, über das thema der musikalischen wiederholungen reflektieren. ziel ist eine art phänomenologische erforschung der wiederholung in der vielfalt ihrer differenzierungen.


die wiederholung soll so über die dekonstruktion der wiederholten inhalte zu einem neuen wahrnehmen derselben hinleiten, vielleicht eine neue lesart ermöglichen. die schleife/loop ist das grundlegende strukturelement dieser stücke, die vielleicht studien einer möglichen ästhetik der schleifen ("loop-aestetics") darstellen könnten.


während in den ersten stücken der serie die schleifen immer gespielt oder gesungen wurden, fand in die letzteren der eigentliche ausgangspunkt der betrachtung, nämlich das sampling, im technischen sinn wieder eingang. dazu wurde am iem graz von thomas musil der loop-generator ("looping tom") komponiert, der nunmehr die mechanische wiederholung im stück ermöglicht, teils für sich, teils in der vielfalt der gegenüberstellungen zwischen aktualer und virtueller loop.


gerade die einbindung von computerprogrammen in den stückablauf wirft für mich hier auch verstärkt die frage der autorenschaft neu auf: wo beginnt die geschriebene partitur, wo endet der programmtext, was ist datenstruktur des stücks, was ist programmgerüst?


ab dem punkt, an dem programmierer information und lösungswege in dermaßen großem umfang in die arbeit einbringen, reduziert sich der part des traditionellen notats von einer hierarchisch ausgesprochenen anweisungsstruktur zu einer komponente in einem möglichen neuen ganzen. zudem führen stücke dieser art, wie ich schon während meiner zusammenarbeit mit winfried ritsch bemerkt hatte, weg von einer klassischen autor-werk-beziehung, die sich in einer einzigen person bündelt, hin zu einer gruppenarbeit, zur team-komposition. in diesem fall betrifft das: stefan, joachim, michael und andré in freiburg, thomas, winfried und robert in graz, denen ich allen für ihre zusammenarbeit danken will.


bernhard lang wien 240702