Cetus Candidus - Der weiße Wal/Die Anomalie des Wassers | "...Einklang freier Wesen..."

Klaus Lang, Georg Friedrich Haas
1996

Künstlerisches Projekt

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Klaus Lang

Georg Friedrich Haas

 

Cetus Candidus - Der weiße Wal/Die Anomalie des Wassers | "...Einklang freier Wesen..."

Konzertabend im Rahmen des Musikprotokoll am 11.10.1996

 

Klaus Lang | Cetus Candidus - Der weiße Wal/Die Anomalie des Wassers

Trauermusik für Kammerensemble

(Beringmeer - Ob-Busen - Rossmeer - Andamanensee - Weißes Meer - Melvillebucht - Hebridensee)
1996, UA
Kompositionsauftrag des musikprotokoll


Georg Friedrich Haas | "...Einklang freier Wesen..."

für 10 Instrumente

1994/95, UA der Neufassung 1996)

Klangforum Wien
Dirigent: Johannes Kalitzke

Im Radio: Österreich 1, Zeit-Ton, 23. 00 Uhr, 14. 10.1996 (Haas) und 20. 10. 1996 (Lang)

 

 

 

Klaus Lang: Cetus Candidus - Der weiße Wal/Die Anomalie des Wassers

 

Trauermusik für Kammerensemble

(Beringmeer - Ob-Busen - Rossmeer - Andamanensee - Weißes Meer - Melvillebucht - Hebridensee)

... es war ja nicht einmal ein Geschehen, sondern obgleich es geschah, ein Zustand.

(Robert Musil)

Ich sehe ihn noch vor mir, den blassen Hilfslehrer - fadenscheinig an Rock und Geist, an Leib und Seele. Immer war er geschäftig, seine alten Wörterbücher und Grammatiken abzustauben, mit einem sonderbaren Taschentuch, das wie zum Hohn mit den bunten Flaggen aller Herren Länder geschmückt war. Er liebte diese Beschäftigung; irgendwie mahnte sie ihn sanft an seine eigene Vergänglichkeit.

(Hermann Melville)

Ich denke, Musik sollte keine Geschichten erzählen.

(kl)

Klaus Lang

 


Georg Friedrich Haas: "...Einklang freier Wesen..."

 

Die Komposition "...Einklang freier Wesen..." entstand 1994/95 für das Klangforum Wien anläßlich seines zehnjährigen Bestehens. 1996 wurde die Komposition gekürzt und völlig neu bearbeitet.

Der Begriff des "SolistInnenensembles" (als solches versteht sich das Klangforum Wien selbst) ist in dieser Komposition wörtlich genommen. Jede der 10 Einzelstimmen ist gleichzeitig ein Solostück, beziehungsweise umgekehrt entsteht das Ensemblestück als Vernetzung von 10 völlig selbständigen und isloiert lebensfähigen Einzellinien. (Es sind auch kleinere "Unterensembles" gedacht: ein Duo für 2 Schlagzeuge, ein Trio für Viola, Violoncello und Kontrabaß, ein Quartett für Baßflöte, Baßklarinette und 2 Schlagzeuge sowie ein Septett für Baßflöte, Baßklarinette, 2 Schlagzeuge, Viola, Violoncello und Kontrabaß.)

Diese Fassungen für 1 bis 7 Instrumente werden unter dem Titel "...aus freier Lust...verbunden..." (unter Zusatz der jeweiligen Besetzung) veröffentlicht.

Die Stimmen sind - in ihrem Tonhöhenverlauf - durch eine identische harmonische Struktur (wobei in den Soloparts "Harmonie" primär als Zusammenwirken des jeweils nacheinander Erklingenden gedacht ist) verbunden. In formaler Hinsicht werden Zäsuren und Einheiten in jeder Stimme sowohl unabhängig von den anderen Instrumenten als auch simultan (quasi "solidarisch") gebildet.

Die Titel sind einem Ausschnitt aus Friedrich Hölderlins Roman "Hyperion" entnommen:

"Ich fühl' in mir ein Leben, das kein Gott geschaffen und kein Sterblicher gezeugt. Ich glaube, daß wir durch uns selber sind, und nur aus freier Lust so innig mit dem All verbunden. <...> Was wär auch diese Welt, wenn sie nicht wär ein Einklang freier Wesen? wenn nicht aus eignem frohen Triebe die Lebendigen von Anbeginn in ihr zusammenwirkten in ein vollstimmig Leben, wie hölzern wäre sie, wie kalt?" (Hyperion, zweiter Band, zweites Buch, Kapitel XXVII. Dieser Ausschnitt liegt auch, kombiniert mit anderen Hölderlintexten, dem Schlußbild meiner Kammeroper "Nacht" zugrunde. Es gibt jedoch keine direkte Beziehung zwischen der Oper und "Einklang freier Wesen".)

Georg Friedrich Haas