Abschlussarbeit

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Effekte von binauralem Jitter auf die Wahrnehmung von interauralen Laufzeitdifferenzen bei Hörgeschädigten

AutorInnen Könsgen, A.
Jahr 2009
Art der Arbeit Diplomarbeit
Themenfeld Psychoakustik
Abstract Interaurale Laufzeitdifferenzen (ITD) eines Signals sind wichtig für die Schallquellenlokalisation und für die Sprachwahrnehmung im Störgeräusch. Während sich bei niedrigen Pulsraten von hochfrequent gefilterten Pulsketten die ITD Sensitivität bei steigender Signaldauer verbessert, tritt eine solche Verbesserung bei hohen Pulsraten nicht auf. Dieser Effekt wird als binaurale Adaptation bezeichnet. Binaurale Adaptation führt bei hohen Pulsraten dazu, dass der Beginn eines Schallereignisses maximale perzeptive Gewichtung hat, während das fortlaufende Signal nur wenig zur Wahrnehmung von ITD beiträgt. Die Einführung von binaural synchronisierter Zufälligkeit (binauraler Jitter) in der zeitlichen Struktur der Stimulation verbessert die ITD Sensitivität bei Normalhörenden und Cochleaimplantat Trägern. Diese Studie prüft die Hypothese, dass auch bei Personen mit cochleärem Hörschaden binaurale Adaptation auftritt und somit durch die Einführung von binauralem Jitter die Wahrnehmung von ITD bei höheren Pulsraten verbessert werden kann. Zusätzlich wird getestet, ob die Einhüllende des Signals für tiefe Trägerfrequenzen (500 Hz) eine Rolle spielt. Die ITD Sensitivität von zwölf hörgeschädigten Personen mit mittelgradigem Innenohr- schaden wurde bei 4000 Hz und 500 Hz, unter Verwendung einer links/rechts Unterscheidungsmethode, gemessen. Für 4000 Hz wurden Pulsketten mit Pulsraten von 400 und 600 Pulsen pro Sekunde und verschiedenen Graden an binauralem Jitter sowie Schmalbandrauschen verwendet. Die Hypothese wurde bestätigt, dass binauraler Jitter die ITD Sensitivität erhöht. ITD Sensitivität von Pulsketten mit mittlerem bis hohem Jitter entspricht in etwa der von Schmalbandrauschen. Für 500 Hz wurden Sinustöne mit verschiedenen Graden an zufälliger Frequenzmodulation (“gejitterte Töne“), Schmalbandrauschen, sinusförmig amplitudenmodulierte Töne und reine Sinustöne getestet. Gejitterte Töne zeigten keine Verbesserung der ITD Sensitivität gegenüber reinen Tönen. Sinusförmig amplitudenmodulierte Töne resultierten in einer geringfügig höheren ITD Sensitivität als alle anderen Signale. Schmalbandrauschen zeigte hingegen geringfügig niedrigere ITD Sensitivität als alle anderen Signale. Diese Ergebnisse zeigen, dass bei 500 Hz Feinstruktur die dominante Information für die Wahrnehmung von ITD darstellt, während die Einhüllende relativ geringen Einfluss hat. Insgesamt weisen die Hörgeschädigten eine gegenüber Normalhörenden um den Faktor 2-3 verschlechterte ITD Sensitivität auf, sowohl bei 500 Hz als auch bei 4000 Hz. In Übereinstimmung mit anderen Studien korreliert die ITD Sensitivität nicht mit dem Grad an Hörverlust. Die Ergebnisse zeigen die praktische Möglichkeit auf, die ITD Sensitivität von Hörgeschädigten bei hohen Frequenzen mittels der Einführung von binauralem Jitter in Hörgeräten zu verbessern.
URL http://phaidra.kug.ac.at/o:7350
BetreuerInnen Höldrich, R., Laback, B.