Electronic Experiments

jazzzeit, April 2003

Electronic Experiments Das 4.V:NM-Festival 2003 wandert durch Grazhttp://iem.at/services/presse/Electronic%20Experiments/bilder/VNM

Josef Klammer und Seppo Gründler „koordinieren“ dieses Festival für „Neue Improvisierte Elektronische Musik“, das 1999 gegründet wurde. Seit 2001 wird es im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführt. Grund dafür war, dass sich die Besetzungen und Musik im Jahrestakt wenig veränderten. Die offene Konstruktion des Festivals, das vom „Verein zur Förderung und Verbreitung Neuer Musik“ veranstaltet wird, gibt dem Experiment alle Freiheiten, jedes Vereinsmitglied kann (nicht muss) eine Besetzung stellen und sich je einen Gast einladen. Experimente gelingen oder mißlingen, je nach Konzept und anvisiertem Ziel, Grenzen werden nicht gesteckt, eine der wenigen konzertanten realen Utopien in unserer sonst „ausge-check-ten“ Zeit? Thomas Hein folgt den Versuchsanordnungen.

Eines der Ziele des Festivals ist es, „die Kommunikation der Künstler, die sich in diesem Bereich der ,neuen improvisierten elektronischen Musik‘ bewegen, zu verbessern und den österreichischen Musikern eine Plattform anzubieten“, beleuchtet Josef Klammer weitere Hintergründe. „Die Mitglieder sollen aktiviert werden, jeder kann spielen was er will, unter den Musikern werden dann per e-mail Konzepte erstellt und Kollegen eingeladen. Was bis zu einer ,Deadline‘ bei uns Koordinatoren einlangt ,wird auch ins Programm aufgenommen.“ Als Veranstaltungsorte stehen das sonst dem Jazz vorbehaltene Cafe „Stockwerk“, der IEM/Cube (Infeldgasse) und das ESC/labor (Jakominigasse) zur Verfügung: Das herumziehende Festival, muss sein Publikum, das aus der Zwischenwelt von ‘Neuer Klassik’, Elektronik, Multimedialen Projekten und Jazz kommt, erst suchen, stehen doch basisdemokratische Strukturen und kein Intendantenprinzip für die ‘Auswahl’ der Künstler. (Ö1 als Partner wird das Festival aufzeichnen, dazu wird es ein Internetsymposium geben.) Die Musiker kommen aus dem elektronischen Bereich, auch der Trompeter Franz Hautzinger, den viele Zuschauer/Zuhörer dem Jazz zurechnen, sieht der Schlagzeuger/Schlagwerker Josef Klammer eher in der Elektronik-Szene beheimatet, für Klammer ist „Jazz eine Spielart der neuen Musik“. Neben Hautzinger und Musikern des Gastlandes Russland sind unter dieser großen Zahl von Künstlern „pars pro toto“ Armin Pokorn, Josef Novotny, Martin Zrost, Heimo Puschnig, Julean Simon, Andreas Weixler, Katharina Klement, Oskar Aichinger, Peter Herbert, Reinhard Micko und auch die beiden Organisatoren zu nennen.

Eine Sichtweise der elektronischen Welt Josef Klammer hat bei aller Offenheit gegenüber dem Programm, in das er und Seppo Gründler als „Koordinatoren“ nicht wertend eingreifen, zu einer eigenen Philosophie gefunden: „Ich spiele wieder auf einem Naturinstrumentarium, das heißt für mich Holzkessel und Fell, Becken und Schlagzeugstöcke - keine digitalen Klangerzeuger. Die Konserven haben sich – für mich – als letztlich zu unflexibel erwiesen. Mich interessiert die den Geräten immanente Fehlerhaftigkeit, die ich mittlerweile gut kenne. Ein weiteres Thema ist für mich die Diskussion um das Instrument an sich, welchen Wert es jetzt über die Musik hinaus besitzt“. Ein Denkansatz, der sich in Musik und Performance-Umsetzung weiter zu entwickeln lohnt. Das Experiment möge beginnen.

Konzert Tipp

  1. V:NM-Festival 2003, Mittwoch, 28. Mai – Freitag 30.Mai, Graz Info: Tel: 0 316 / 81 95 00; e-Mail: klammer@mur.at, vnm.mur.at

Bildunterschrift: Für konzertante Aufführungen wurde der IEM CUBE eingerichtet. Ein zur Außenwelt schallgedämmter Konzertraum mit einer Fläche von 120 m2 und 4,5 m Höhe, der mit einer 49-kanaligen Beschallungsanlage mit über 80 Lautsprechern ausgestattet ist. Der IEM CUBE stellt nicht nur einen multifunktionalen Aufführungs- und Aufnahmeraum dar, sondern ist ein Klangtheater, für dessen Beschallungsanlage wie für ein Musikinstrument komponiert werden kann. iem.at

Impressum: Jazz Zeit, jazzzeit.at & wfr Neue Medien 1020 Wien, Große Sperlgasse 2, Fon: 01 532 8560, Fax: 532 8561 www.jazzzeit.at

Autor: Thomas Hein Entnommen der Ausgabe Jazz Zeit Nr. 37

jazzzeit, April 2003 (Printausgabe)