Algorithmische Komposition

Algorithmische Komposition

Die Algorithmische Komposition befasst sich prinzipiell mit der Generierung musikalischer Struktur auf einer symbolischen Ebene und hat eine jahrhundertelange Tradition nicht nur in der abendländischen Musikgeschichte. An aktuellen Paradigmen sind u.a. Generative Grammatiken, Transitionsnetze, Genetische Algorithmen, Zellulare Automaten, Neuronale Netze und einige Verfahren der künstlichen Intelligenz zu nennen.

Algorithmische Komposition

Die algorithmische Komposition oder das Komponieren mit Hilfe formalisierbarer Methoden hat eine jahrhundertelange Tradition nicht nur in der abendländischen Musikgeschichte. Die Geschichte der algorithmischen Komposition beginnt kurz nach der ersten Jahrtausendwende durch ein System Guido von Arezzos, der bereits um 1025 ein System entwickelt(In: „Micrologus de disciplina artis musicae“), das die Generierung melodischen Materials aus Texten erlaubt, erstreckt sich über die Anwendung algorithmischer Prinzipien in der entstehenden komplexen Mehrstimmigkeit, zeigt sich u.a. in den „Kompositionsmaschinen“ eines Athanasius Kircher im Barock, findet sich im 18.  Jh. im populären „musikalischen Würfelspiel“, bis schließlich am 9. August 1956 die „Illiac Suite“ die erste computergenerierte Komposition an der Universität von Illinois uraufgeführt wird. Die Geschichte der algorithmischen Komposition steht jedoch mit diesem Datum erst am Anfang einer Reihe spannender Entwicklungen, die mit der Entwicklung der Technologie und der Erforschung neuer wissenschaftlichen Disziplinen einhergeht.

Wenn man sich nun die berechtigte Frage stellt, welche musikalischen Zugänge eigentlich unter dem Begriff "Algorithmischer Komposition" subsummiert werden können, kann man zur Klärung einiger allgemeiner Definitionen des Begriffs "Algorithmus" bedienen:

  • „A set of mathematical instructions that must be followed in a fixed order, and that, especially if given to a computer, will help to calculate an answer to a mathematical problem.“ [Cambridge Dictionary 2006]

  • „A systematic procedure that produces - in a finite number of steps - the answer to a question or the solution of a problem.“ [Encyclopedia Britannica 2006]

  • „[...] (especially computing) a set of rules that must be followed when solving a particular problem.” [Oxford Dictionary 2006]

 

Wenn man von speziellen Unterteilungen absieht lässt sich ein Algorithmus aus den oben vorgestellten Definitionen sehr allgemein als ein formalisierbares und abstrahierendes Verfahren beschreiben, das - angewandt auf musikalische Strukturgenese - den Geltungsbereich der algorithmischen Komposition darstellt.

Die Algorithmische Komposition im engeren Sinne befasst sich prinzipiell mit der Generierung musikalischer Struktur auf einer symbolischen Eben. Dies bedeutet, dass die Ausgaben hier meist Steuerdaten oder Notenwerte darstellen, deren akustische Umsetzung - sei es durch ein herkömmliches Instrumentarium oder einen Syntheseprozess - nicht mehr Aufgabe des generierenden Algorithmus ist.

Generierungsmodelle musikalischer Strukturen können aus beinahe jeder wissenschaftlichen Disziplin gewonnen werden. Davon abgesehen lassen sich interessante musikalische Ergebnisse aber auch durch originelle kompositorische Strategien oder geeignete Abbildungen von Daten auf musikalische Parameter erreichen. Durch diesen umfassenden Geltungsbereich ergeben sich auch notwendige Einschränkungen in Bezug auf eine Klassifizierung und Behandlung der prominenten Zugangsweisen, bzw. Verfahren, die einerseits für musikalische Strukturgenese besonders geeignet sind, andererseits jeweils eine Klasse von Algorithmen darstellen, die musikalische Information in spezifischer Weise verarbeiten oder generieren können. Die Bandbreite reicht hier von der generativen Grammatik, die musikalisches Material in übersichtlichen Formalismen verarbeitet und generiert, bis hin zu zellularen Automaten, bei denen einige einfache Initialregeln zu einem komplexen und schwer vorhersehbaren Verhalten führen.

Veröffentlichungen & Dokumente

Ansprechperson

Gerhard Nierhaus